Jährliche Übersicht über die Verletzungen von Gewerkschaftsrechten

Kolumbien

Einwohner: 45.014.000 / Hauptstadt: Bogotá
Ratifizierte IAO-Kernübereinkommen: 29 - 87 - 98 - 100 - 105 - 111 - 138

Mit 39 Ermordungen im Jahr 2007 ist Kolumbien für Gewerkschafter/innen immer noch das gefährlichste Land der Welt. Es gab zwar weniger Morde, aber es zeichnete sich ein Trend zu anderen Formen der Gewalt ab: Die Zahl der Mordversuche hat sich verdoppelt, die Zahl der gewaltsamen Vertreibungen, illegalen Razzien und willkürlichen Verhaftungen nahm zu, während das Ausmaß der Bedrohungen konstant blieb. Dabei ist zu betonen, dass oft Familienmitglieder das Ziel von Ermordungen und Todesdrohungen sind, und das nicht nur als Mittel zur Behinderung der Gewerkschaftsarbeit, sondern auch als Weg, um die Zahl der als Angriffe auf Gewerkschafter registrierten Verletzungen zu verringern. 76% der Verletzungen von Gewerkschaftsrechten wurden an Beschäftigten der lokalen Behörden und im Dienstleistungssektor und Untersektoren wie im Bildungs- und Gesundheitswesen verübt. Obwohl in den letzten drei Jahren im Rahmen eines umstrittenen Regierungsprogramms 30.000 Paramilitärs "demobilisiert" wurden, gibt es stichhaltige Beweise dafür, dass sie weiterhin Gewerkschafter bedrohen, ermorden und entführen, manchmal auch mit Einverständnis der Sicherheitskräfte. Trotz Änderungen des Gesetzes für Gerechtigkeit und Frieden, in dessen Rahmen die "Demobilisierung" erfolgte, wird weiterhin befürchtet, dass es die Straffreiheit vergrößern wird.

Gewerkschaftsrechte in der Gesetzgebung

Das Grundrecht auf Vereinigungsfreiheit ist in der kolumbianischen Verfassung verankert. Das Arbeitsgesetz sieht die automatische Anerkennung jeder Organisation mit mindestens 25 Mitgliedern vor, die ihre Gründungsurkunde vorlegt und ein einfaches Registrierungsverfahren durchläuft. Laut Gesetz steht es den Gewerkschaften frei, ihre eigenen Verfahrensregeln zu beschließen und eigenständig tätig zu werden. Nur per Gerichtsbeschluss, nicht aufgrund eines Verwaltungsaktes, können Gewerkschaften aufgelöst oder ihrer Rechtspersönlichkeit beraubt werden. Es bestehen jedoch einige erhebliche gesetzliche Hindernisse für die uneingeschränkte Wahrnehmung der Gewerkschaftsrechte in Kolumbien.

Oft werden die Arbeitsverhältnisse verschleiert, um eine gewerkschaftliche Organisation und Gewerkschaftstätigkeiten zu verhindern. Mit verschiedenartigen Vertragsformen wie Arbeits- und Dienstgemeinschaften, zivilrechtlichen oder kommerziellen Verträgen, die es den Beschäftigten nicht erlauben, Gewerkschaften zu gründen oder beizutreten, werden tatsächliche Arbeitsverhältnisse verschleiert. Dies stellt einen Verstoß gegen Artikel 2 des IAO-Übereinkommens 87 dar, dem zufolge alle Arbeitnehmer das Recht haben, Gewerkschaften zu gründen und beizutreten.

Die willkürliche Weigerung, Gewerkschaften zu registrieren, neue Gewerkschaftsbestimmungen oder die Zusammensetzung des Vorstandes einer Gewerkschaft fallen in den Ermessensspielraum der Behörden, die davon entgegen den ausdrücklichen gesetzlichen Bestimmungen oft Gebrauch machen. 2007 brachte die Regierung den Erlass Nr. 1651 heraus, um die Registrierungsverfahren zu beschleunigen, doch ist einer der Gründe, warum eine Registrierung abgelehnt werden kann, der, "dass die Gewerkschaft nicht gegründet wurde, um das Recht auf Vereinigungsfreiheit zu garantieren, sondern um für Arbeitsstabilität zu sorgen". Der Sachverständigenausschuss der IAO ist der Ansicht, dass diese Ermessensbefugnis im Widerspruch zu Artikel 2 des Übereinkommens 87 stehe und hat die Regierung aufgefordert, diese Bestimmung zu ändern.

Beschränktes Streikrecht: Die kolumbianische Verfassung gesteht allen Beschäftigten das Streikrecht zu, mit Ausnahme der Angehörigen von Streitkräften und Polizei und der Beschäftigten in vom Gesetz als wesentlich oder vorrangig definierten öffentlichen Diensten. Die Verfassung erteilt dem Gesetzgeber den Auftrag, das Streikrecht zu regeln, was jedoch bisher nicht geschehen ist; statt dessen haben immer noch Gesetzesvorschriften von 1956 und 1990 Gültigkeit, die Streiks in einer breiten Skala von öffentlichen Diensten untersagen, die nicht unbedingt wesentlichen Charakter haben. Dies steht im Widerspruch zu der einschlägigen Begriffsbestimmung der IAO, die von Diensten spricht, deren Unterbrechung Leben, persönliche Sicherheit oder Gesundheit eines Teils oder der ganzen Bevölkerung gefährden würde. In ihrem Bericht an die IAO über die Umsetzung des Übereinkommens 87 gab die Regierung zu, dass die Definition der wesentlichen Dienste in Abschnitt 430(b) des Arbeitsgesetzes im Widerspruch zum Übereinkommen 87 stehe. Der Sachverständigenausschuss der IAO hat der Regierung empfohlen, die fachliche Unterstützung der IAO anzunehmen, um sicherzustellen, dass die neue Gesetzgebung auf diese Punkte entsprechend eingehe.

Außerdem untersagt das Gesetz Gewerkschaftsdachverbänden, Streiks auszurufen, und das (für die Überwachung und verwaltungstechnische Kontrolle der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen zuständige) Sozialministerium kann bei Arbeitskämpfen Zwangsschlichtungen anordnen, wenn ein Streik länger als 60 Tage dauert. Dies verstößt gegen IAO-Übereinkommen 87 und steht im Widerspruch zu den Empfehlungen des Sachverständigenausschusses. 2007 wurde dem Kongress ein Gesetzesentwurf zur Novellierung von Abschnitt 448(4) des Arbeitsgesetzes vorgelegt, damit sich die Parteien über einen Schlichtungsmechanismus einigen konnten. Der Änderungsentwurf sah jedoch weiterhin die Möglichkeit vor, dass eine Partei beim Ministerium für soziale Sicherheit die Einberufung eines Schiedsgerichts beantragen konnte, ebenso wie die Möglichkeit einer Zwangsschlichtung zur Beendigung von Streiks, was im Widerspruch zum Übereinkommen 87 steht.

Gewerkschaftsfunktionäre, die sich an für illegal erklärten Streiks beteiligen, können entlassen werden. Das Gleiche gilt für diejenigen, die an legalen Streiks teilnehmen, sofern seit dem Ende des Arbeitskampfes sechs Monate vergangen sind.

Tarifverhandlungen – Diskriminierung im öffentlichen Dienst: Das kolumbianische Gesetz sieht unterschiedliche Funktionen und Rechte der Arbeitnehmerorganisationen im öffentlichen Dienst im Hinblick auf Tarifverhandlungen vor, je nachdem, ob es sich um "trabajadores oficiales" (in Staatsbetrieben tätige Arbeitnehmer/innen) oder "empleados públicos" (Beschäftigte im öffentlichen Dienst) handelt. Die Gewerkschaften der Beschäftigten im öffentlichen Dienst können weder Forderungen stellen noch Tarifverträge unterzeichnen; ihre Verhandlungsrechte beschränken sich auf die Vorlage "hochachtungsvoller Eingaben" unter Ausschluss grundlegender Aspekte der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen wie Löhne, Leistungen und Verträge.

Viele Jahre lang hat der Sachverständigenausschuss der IAO darauf gedrängt, dass das Tarifverhandlungsrecht der öffentlich Bediensteten, die nicht in der staatlichen Verwaltung tätig sind, in der Praxis anerkannt werden müsse. Im November 2005 entschied das Verfassungsgericht, dass den Gewerkschaften der öffentlich Bediensteten andere Möglichkeiten für konzertierte Maßnahmen bezüglich der Arbeitsbedingungen zur Verfügung gestellt werden sollten, um Artikel 55 der Verfassung Wirksamkeit zu verleihen. Bisher wurden die nötigen gesetzlichen Maßnahmen noch nicht getroffen, um diese Entscheidung umzusetzen.

Arbeitsrechtsreform: Ohne jegliche Konzertierung oder sozialen Dialog wurde im Jahr 2004 eine Arbeitsrechtsreform verfügt, die längere tägliche Arbeitszeiten, geringere Bezahlung für Überstunden, Abbau der Sozialleistungen, Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse, Einschränkungen der Tarifhoheit und den Verlust erworbener Rechte mit sich brachte. Das neue Gesetz sieht zum Beispiel vor, dass Lehrverträge nicht mehr tarifvertraglich geregelt werden. Dagegen sehen die IAO-Übereinkommen vor, dass alle schriftlichen Verträge in Bezug auf Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen durch die Ergebnisse von Tarifverhandlungen bestimmt werden.

Ermessensspielraum: Obwohl dies im Widerspruch zu Artikel 2 des IAO-Übereinkommens 87 steht, sieht der Erlass 1651 von 2007 weiterhin einen gewissen Ermessensspielraum vor.

Gesetz für Gerechtigkeit und Frieden: Am 22. Juni 2005 wurde im Kongress das Gesetz für Gerechtigkeit und Frieden verabschiedet, das laut Regierung die Versöhnung fördern und die Straflosigkeit bekämpfen soll. Im Juli 2006 befand das kolumbianische Verfassungsgericht, die höchste Instanz der Gerichtsbarkeit des Landes, dass zahlreiche Aspekte des Gesetzes im Widerspruch zur Verfassung stehen. Der gesetzliche Rahmen zur Regelung dieser Demobilisierung ist nach wie vor unzureichend:

Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass einige Vorschläge der Regierung den bestehenden Opferschutz bei Verletzungen von Menschenrechten aufheben und dadurch das Rechtssystem weiter schwächen würden, das sowieso schon ineffizient ist. Die Regierung hat beispielsweise vorgeschlagen, den "Schutz der Freiheiten und Rechte" erheblich zu reduzieren, der bisher gerichtliche Eilmaßnahmen umfasste, um Verfassungsrechte zu garantieren, während ein Streitfall untersucht wurde. Sie hat ferner vorgeschlagen, die Zuständigkeit des Verfassungsgerichts einzugrenzen. Dieses Gericht war bisher ein Bollwerk für die Verteidigung von Arbeitnehmerrechten. Zudem hat die Regierung unvermittelt ihren Dialog mit dem institutionsübergreifenden Ausschuss für die Verhinderung von Verletzungen und den Schutz der Menschenrechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern abgebrochen.

Unterzeichnung des dreigliedrigen Abkommens bei der IAO: Als Ergebnis der jahrelangen, von der internationalen Gewerkschaftsbewegung unterstützten, unermüdlichen Bemühungen der kolumbianischen Gewerkschaftsdachverbände wurde am 1. Juni im Rahmen der 95. Internationalen Arbeitskonferenz am Sitz der IAO in Genf das dreigliedrige Abkommen über Vereinigungsfreiheit und Demokratie zwischen den Vorsitzenden der drei Gewerkschaftsdachverbände, dem Präsidenten des Arbeitgeberverbandes und dem Vizearbeitsminister von Kolumbien unterzeichnet. Den Kern des Abkommens bildet die Einrichtung einer ständigen Vertretung der IAO in Kolumbien. Ihre Hauptaufgabe ist die Förderung und der Schutz der Grundrechte der Arbeitnehmer, und insbesondere ihr Recht auf Leben, auf Vereinigungsfreiheit, Meinungsfreiheit und Kollektivverhandlungen sowie die Gewährleistung der Einhaltung der IAO-Politik. Auf intensiven Druck aus dem In- und Ausland wurde am 18. Oktober eine dreigliedrige Vereinbarung unterzeichnet, die das Mandat der ständigen Vertretung der IAO in Kolumbien regelt, und am 23. November 2006 stimmte die Regierung schließlich der Eröffnung des IAO-Büros zu, das am 15. Januar seine Arbeit aufnahm.

Gewerkschaftsrechte in der Praxis und Rechtsverletzungen 2007

Hintergrund: Kolumbien macht trotz einer etwas besseren Bilanz der Gewalttaten immer noch eine tief greifende Menschenrechtskrise durch. Die Streitkräfte und ihre paramilitärischen Verbündeten verfolgen ihre Strategie des Gegenaufstands weiter und gehen gegen jede Unterstützung der Guerillas durch die Bevölkerung, ob imaginär oder real, vor. Terror und Straflosigkeit sind fester Bestandteil dieser Strategie: es kommt zu Entführungen, Folter, Gewaltanwendung (sexueller oder anderer Art) gegen Frauen, Morddrohungen und Morden an Zivilisten, um jede reale oder vermutete Verbindung zwischen der Bevölkerung und den Guerillas zu kappen. Vor diesem Hintergrund werden Gewerkschafter immer wieder als subversive Kräfte bezeichnet (Präsident Uribe selbst gab eine öffentliche Erklärung ab, in der er die kolumbianische Gewerkschaftsbewegung beschuldigte, die FARC zu unterstützen). Folglich werden ihre Rechte verletzt. Die Rechtsverletzungen treten häufig im Zusammenhang mit Arbeitskonflikten oder Verhandlungen über Arbeitsbedingungen auf.

Zum aktuellen Schutzprogramm für Gewerkschafter gehören die Bereitstellung von Leibwächtern, Panzerfahrzeugen und Mobiltelefonen. Diese Maßnahmen sind jedoch eindeutig unzureichend, da die Zahl der Verletzungen von Gewerkschaftsrechten in Kolumbien trotz einiger Verbesserungen weiterhin besorgniserregend hoch ist.

Straffreiheit: In seinem Bericht vom 20. Dezember 2007 wies das Büro des Generalstaatsanwalts darauf hin, dass sich die 1.244 Fälle von Verstößen gegen Gewerkschafter/innen (im bei der IAO eingereichten Fall 18787 behandelt) in folgenden Untersuchungsstadien befänden:

Von den 2.557 Fällen der von der Nationalen Gewerkschaftsschule (ENS) zwischen 1986 und Januar 2008 festgestellten Gewalttaten gegen Gewerkschaften kam es in nur 87 Fällen zu einer Verurteilung, was einer Straffreiheit von 96,7% entspricht. Wenn die Ermittlungen in demselben Tempo weitergehen, würde die kolumbianische Justiz mehr als 30 Jahre für die Behandlung aller Fälle brauchen.

Noch beunruhigender ist, dass die Beschuldigten in diesen Fällen ihre Handlungen mit dem Argument und ohne Beweise rechtfertigen, das Opfer habe Verbindungen zu bewaffneten Gruppen gehabt, wobei die Justiz diese unhaltbaren Anschuldigungen in vielen Fällen für einen ausreichenden Grund ansieht, um den Kläger zu disqualifizieren und die gewerkschaftsfeindliche Natur des Verbrechens auszuschließen. Zudem konzentrierten sich die kriminalpolizeilichen Ermittlungen in vielen Fällen auf die Vorgeschichte des Opfers und nicht auf die Motive des Täters, weshalb die Fakten oft nicht aufgeklärt und die für das Verbrechen Verantwortlichen nicht identifiziert werden. Bei den Verbrechen gegen Frauen stellen die Befragungen und die Rekonstruierung des Falles oft eine weitere Demütigung dar. Die Analyse der Fälle ohne Berücksichtigung von Faktoren wie der Zunahme der paramilitärischen Aktivitäten in den verschiedenen Regionen des Landes, des geheimen Einverständnisses des Staates bei vielen Verstößen oder Vergehen verschiedener Täter gegen dasselbe Opfer lenken den Verlauf der Ermittlungen ab und behindern ihre Effizienz.

Operation Drache: Wie in der Jahresübersicht 2006 berichtet, erhielt die Gewerkschaft der Gemeindearbeiter von Cali (SINTRAEMCALI) Informationen über eine von ihrer Unternehmensleitung (EMCALI) ausgeheckte Verschwörung mit der Bezeichnung "Operation Drache", mit der verschiedene Gewerkschaftsführer, die in dem Unternehmen beschäftigt waren, ein Mitglied des Repräsentantenhauses und andere Menschenrechtsverfechter beseitigt werden sollten. Es wurden Informationen gefunden, die darauf hinwiesen, dass das Sicherheitsunternehmen, das aus Mitgliedern der Streitkräfte bestand und von EMCALI beauftragt wurde, die Gewerkschaft zu destabilisieren, Informationen über das Privatleben der Gewerkschaftsführer gesammelt hatte, wie etwa über ihre Schutzsysteme, die Identität ihrer Leibwächter, ihre Autokennzeichen usw. Es gab Hinweise darauf, dass diese persönlichen Informationen von Mitgliedern der Abteilung für Nationale Sicherheit (Departamento Administrativo de Seguridad - DAS) stammten, die unter anderem für die Bereitstellung der Schutzmaßnahmen für Gewerkschafter zuständig ist. Die SINTRAEMCALI erhob daraufhin Klage bei der IAO. In ihrem Bericht 348 vom November 2007 drängte der IAO-Ausschuss für Vereinigungsfreiheit die Regierung erneut, "eine Stellungnahme zu den Anschuldigungen bezüglich der Existenz einer als "Operation Drache" bezeichneten Verschwörung [...] zu senden, zu denen die Regierung zuvor erklärt hatte, dass sowohl der Generalstaatsanwalt als auch der Generalinspektor Ermittlungen eingeleitet hätten."

Geheimes Einverständnis zwischen Geheimdienst und den Todesschwadronen: Im April ergaben Ermittlungen des Generalstaatsanwalts, dass die DAS die Politik verfolgte, legitime Gewerkschaftstätigkeiten geheim zu überwachen und zu beobachten, vor allem die Aktivitäten von Gewerkschaftsführern. Die neuen Beweise brachten die Tatsache ans Licht, dass sich die Nachforschungen auf 22 Gewerkschaftsführer und einen Gewerkschaftsberater bezogen, der besonders im Visier der Direktion des Nationalen Geheimdienstes (Dirección Nacional de Inteligencia) stand. Sieben der auf der Liste der Beobachteten stehenden Personen wurden ermordet, nachdem sie zur Zielscheibe der Ermittlungen der Geheimdienstdirektion geworden waren.

Verletzungen, die dieselben Täter und verschiedene Vorkommnisse betrafen: Die Blumenzucht ist einer der Sektoren mit einem sehr schlechten Ruf hinsichtlich der Arbeitnehmerrechte. Die Arbeiter des Exportunternehmens BOCHICA CI in Ceja, Antioquia, gründeten eine Betriebsgewerkschaft, die Unión General de Trabajadores de la Empresa Exportaciones BOCHICA CI, ein Mitglied des nationalen Verbandes der Beschäftigten in der Landwirtschaft, SINTRAINAGRO. Im Februar "lud" die Polizei sie "ein", sich nicht gewerkschaftlich zu organisieren und zeigte ihnen an ihrem Arbeitsplatz ein Video über den Mord an Gewerkschaftern. Einige Tage später erhielten sie Morddrohungen in Form von Flugzetteln und Graffiti, die die Unterschrift der paramilitärischen Gruppe "Águilas Negras del Oriente” trugen. Gleichzeitig verweigerte ihnen das Ministerium für soziale Sicherheit das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten, ohne rechtliche Gründe für seine Entscheidung anzuführen.

Am 27. September wurde Andrés Damián Flórez Rodríguez von drei bewaffneten Männern in einem schwarzen Lieferwagen entführt. Andrés Damián ist der Sohn von José Domingo Flórez, der in der Abfüllfabrik von Coca Cola in Santander arbeitet und einer der Führer der Gewerkschaft der Beschäftigten im Lebensmittelsektor (SINALTRAINAL) ist. Er wurde geschlagen und bedroht. Bei seiner Freilassung sagten sie ihm: "Sag deinem Vater, wir geben erst Ruhe, wenn wir sie in Stücke zerhackt haben". Mehrere andere Mitglieder der SINALTRAINAL hatten am 10. Februar, am 26. Juli, am 9. und am 13. August sowie am 20. und am 25. September ebenfalls Morddrohungen erhalten.

Ermordungen: Am 2. Februar wurde Carmen Cecilia Santana Romaña, die Frau des Ersten Vizepräsidenten der CUT, Hernán Correa Miranda, ermordet. Sie hatte bei Finca Palmeras gearbeitet und war ebenfalls Gewerkschaftsführerin mit einer wichtigen Funktion im Forderungsausschuss der SINTRAINAGRO gewesen.

Am 28. Februar wurde William Cabuyales Díaz, Vorsitzender der Landarbeitergewerkschaft von Cabuyal (Sindicato de Agricultores del Cabuyal) und Mitglied des Regionalvorstands von FERTRASUCCOL, im Bezirk Siloé von Cali ermordet.

Am 19. Mai wurde Ana Silvia Melo de Rodríguez, die Gründerin und ehemalige führende Vertreterin der Gewerkschaft des Lebensmittel- und Getränkehandels (Sindicato Manuela Beltrán de Trabajadores Expendedores de Alimentos y Bebidas de la Plaza del Mercado del Barrio San Francisco del Sur de Bogotá - SINDIMANUELA), einer Mitgliedsorganisation der CGT, ermordet.

Am 6. Juni wurde Andrés Melán Cardona in Ríonegro, Antioquia, ermordet. Er war der Sohn von Hernando Melán Cardona, eines Gewerkschaftsführers bei Textiles Rionegro, einer Tochergesellschaft von Coltejer, wo er über eine Liste von Forderungen verhandelte.

Im Juni wurde Julio César Gómez Cano, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft von Antioquia (Asociación de Instructores de Antioquia - ADIDA), ermordet.

Am 1. Juli wurden Ausschussmitglieder der informellen Straßenhändlergewerkschaft (Sindicato de Vendedores Informales Estacionarios de Santiago de Cali - SINTRAVIECALI) von gedungenen Mördern auf Motorrädern ermordet. Arnovis Ocoro Balanta wurde getötet, María Evel Angulo wurde verletzt. Der Überfall fand zwischen den Städten Suárez und Morales im Bezirk von Cauca statt.

Am 6. September wurde Augusto Ramírez Atehortúa, ein Lehrer an der Institución La Inmaculada, in Guarne ermordet.

Am 12. September wurde Alberto Valencia Correa, Koordinator der Institución las Palmas in Envigado und Dozent an der Universität Antioquia, ermordet.

Am 19. September wurde Rosalino Palacios Mosquera, eine Englisch- und Sportlehrerin an der Institución Educativa Atanasio Girardot, im Bezirk Robledo von Bello, Antioquia, ermordet. Einer ihrer Brüder wurde neben ihr getötet.

Am 7. November wurde Mercedes Consuelo Restrepo Campo, eine Lehrerin an der Institución Educativa Hernando Botero O’Byrne in Cartago, im Bezirk Valle del Cauca, ermordet. Sie hatte über 30 Jahre lang als Lehrerin gearbeitet und war vier Jahre Mitglied der Direktionsuntergruppe der Lehrergewerkschaft von Valle (Sindicato Único de Educadores del Valle - SUTEV) in Cartago gewesen, wo sie als Sekretärin für Frauen-, Kinder- und Familienangelegenheiten tätig gewesen war.

Am 2. November wurde Leonidas Silva Castro, eine führende Vertreterin der Lehrergewerkschaft, in ihrer Wohnung im Bezirk Prados del Norte ermordet. Sie war Präsidentin der Direktionsuntergruppe des Lehrergewerkschaftsbundes (Asociación Sindical de Institutores Nortesantandereanos - ASINORT) in Villacaro, Norte de Santander, gewesen.

Am 3. November wurde Jairo Giraldo Rey, der Präsident der Direktionsuntergruppe der Nationalen Gewerkschaft der Arbeiter der Obst-, Agrar-, Hotel- und Fremdenverkehrsindustrie (Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria Frutera, Agroindustrial, Pecuaria, Hotelera y Turística del Grupo Empresarial Grajales - SINALTRAIFRUT), einer CGT-Mitgliedsorganisation, in Toro, Bezirk Valle del Cauca, ermordet.

Am 22. November wurde José Jesús Marín Vargas, ein Mitglied der Gewerkschaft der Lebensmittelindustrie (Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria de Alimentos - SINALTRAINAL), auf dem Heimweg von der Fabrik "Comestibles La Rosa", die einem Zweigunternehmen von Nestlé gehört, in Dosquebradas, Risaralda, ermordet.

Entführungsversuch: Am 9. Februar wurde Alberto Pumarejo Arias, ein Bauarbeiter beim Supermarkt MERCADEFUR in Bucaramanga, nach der Arbeit von drei bewaffneten Personen in ein Auto gezerrt und zum Stadtrand von Bucaramanga gebracht. Einer der Entführer war eine Frau, die sich als Kommandantin der 24. Front der FARC zu erkennen gab. Sie sagten ihm, sie würden ihn töten, wenn er nicht mit ihnen kooperiere und zwangen ihn zuzugeben, dass er ein Mitglied der Guerilla sei. Danach brachten sie ihn in den Bezirk Primero de Mayo, wo es ihm gelang, zu flüchten. Während der Fahrt drohten sie immer wieder, ihn zu töten.

Verhaftungen: Am 26. April wurde Teófilo Manuel Acuña Ribón, der Präsident der Gewerkschaft der Lebensmittel- und Bergbauindustrie (Federación Agrominera del Sur de Bolívar) von Mitgliedern des Nueva Granada Luftabwehrbataillons der V Brigada, in der Stadt Santa Rosa in Sur de Bolívar festgehalten.

Am 3. Mai 2006 wurde Ender Rolando Contreras García, der Koordinator der internen Rechnungsprüfungsstelle der Stromversorgungsgesellschaft ENELAR, Schatzmeister der Gewerkschaft dieses Unternehmens und Vizepräsident des Ständigen Ausschusses für Menschenrechtsverteidigung der Zweigstelle Arauca, verhaftet. Ende Oktober 2007 war er immer noch im Gefängnis El Barne in Boyacá inhaftiert. Er wurde unter der falschen Anschuldigung der Nötigung, Verabredung zu einer strafbaren Handlung und Rebellion festgehalten, nachdem er unter anderem eine Reihe von Unregelmäßigkeiten des Vizepräsidenten der Republik, des Generalinspektors und des Staatsanwalts angezeigt hatte.

Mordversuch: Am 13. Februar um 19.30 Uhr wurde Henry Alzate, ein Angestellter des Club Colombia of Cali und Vizepräsident der Cali-Zentrale der Gewerkschaft der Beschäftigten des Gastronomie- und Hotelwesens und ähnlicher Berufe (Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria Gastronómica, Hotelera y Similares de Colombia - HOCAR-CGT), einer Mitgliedsorganisation der CGT, auf der Südostautobahn von Cali Opfer eines Mordversuches. Der Überfall wurde von gedungenen Mördern auf schnellen Motorrädern verübt, die ihn mit einer Schusswunde im Kopf und in der linken Schulter liegen ließen. Er wurde in das Krankenhaus "El Rosario" in Cali gebracht.

Razzien: Am 18. Oktober wurde die Wohnung von Oscar García, dem für Sozialangelegenheiten zuständigen Gewerkschaftsführer des Gewerkschaftsbundes USO (Unión Sindical Obrera), in Arauca von Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft und der Technischen Untersuchungseinheit (CTI), begleitet von Beamten der Nationalpolizei, durchsucht. Der Staatsanwalt erklärte, die Durchsuchung erfolge wegen des Verdachts auf den Besitz von Alkaloiden und von Beständen für den Drogenhandel. Keiner dieser Stoffe wurde gefunden.

Drohungen: Raúl Enrique Gómez Velasco, der Präsident der Freien Arbeitergewerkschaft von Norte de Santander (Federación de Trabajadores Libres del Norte de Santander - FETRALNORTE), dritter Vizepräsident der Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten (Federación Nacional de Servidores Públicos - FENASER) und Präsident der Gewerkschaft der öffentlichen und offiziellen Angestellten von Norte de Santander (Sindicato de Empleados Públicos y Trabajadores Oficiales del Departamento Norte de Santander - SINDENORTE), wurde am Telefon mehrmals mit dem Tod bedroht. Nach der letzten Bedrohung am 12. Juni beschloss er, mit seiner Familie aus der Wohnung in Cúcuta wegzuziehen.

Im Februar schickte die paramilitärische Gruppe Águilas Negras auch ein Pamphlet mit Morddrohungen an Javier Correa, Luis García und José Domingo Flórez, drei führende Vertreter der Gewerkschaft der Lebensmittelindustrie (Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria de Alimentos - SINALTRAINAL), die im Coca-Cola-Werk in Santander beschäftigt waren. Das Pamphlet bezeichnete sie als "militärische Ziele" und trug die Unterschrift "die demobilisierten Kräfte von Magdalena Medio".

Am 10. Februar wurde unter der Tür des Büros der Gewerkschaft ASTDEMP im Santander-Hauptsitz der CUT in Bucaramanga ein Umschlag durchgeschoben. Er enthielt Morddrohungen gegen SINALTRAINAL-Mitglieder, die in der Abfüllanlage von Coca Cola in Bucaramanga arbeiteten.

Anfang März erhielt Jimmy Fernando Núñez Belalcázar, führender Vertreter der informellen Straßenhändlergewerkschaft von Cali (Sindicato de Trabajadores Vendedores Informales Estacionarios de Santiago de Cali - SINTRAVIECALI) und Vorstandsmitglied der FESTRALVA, einer CTC-Mitgliedsorganisation, von einer paramilitärischen Gruppe eine Morddrohung.

Am 21. September erhielt Rodolfo Vecino Acevedo, ein führender Vertreter der USO, von der paramilitärischen Organisation "Águilas Negras Unidas de Colombia" per Post eine Morddrohung. Zwischen September 2004 und März 2005 hatte es bereits Versuche gegeben, seine Kinder zu entführen, und am 25. November wurde ein Anschlag auf das Leben seiner Partnerin verübt, die weiterhin Morddrohungen erhält.

Am Morgen des 3. Dezember erreichte eine Flugschrift die Büros der USO in Villavivencio, die eine Morddrohung an Héctor Yesid Vaca, Mitglied der Nationalen Exekutive, und an Marcos Aarón Suárez, Vorsitzender der Direktionsuntergruppe der USO in Meta, enthielt. Sie trug die Unterschrift der paramilitärischen Gruppe "Autodefensas Unidas del Casanare" (AUC).

Gewerkschaftmitglieder entlassen: Am 6. Juli protestierte der IGB formell gegen die gewerkschaftsfeindlichen Praktiken gegenüber der Gewerkschaft bei Brink in Kolumbien (Sindicato Nacional de Trabajadores de Brink's de Colombia S.A. - SINTRABRINKS-CTC). Die Unternehmensleitung bestrafte die Arbeiter, um sie zu zwingen, aus der Gewerkschaft auszutreten, sie zu demoralisieren und andere Beschäftigte von einem Gewerkschaftsbeitritt abzuhalten. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter waren Ziel von finanziellen Druckmitteln wie der ausschließlichen Beförderung von Nichtgewerkschaftsmitgliedern oder Zuwendungen im Austausch dafür, der Gewerkschaft nicht beizutreten. Das Unternehmen setzte gegen die Gewerkschaftsführer auch Waffen wie Kündigungen, Sanktionen, Versetzungen mit Rückstufung und sogar die Verweigerung des Rechtes, die Aufgaben zu erfüllen, für die sie eingestellt wurden, ein.

Im August wurde die Schließung der UNILEVER-Fabrik für Pflegeprodukte in Bogotá bekannt gegeben. Da alle gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten bei UNILEVER in Kolumbien in dieser speziellen Produktionsanlage arbeiteten, entledigte sich das Unternehmen wirkungsvoll jeder Gewerkschaftspräsenz in den Niederlassungen im Land: Die Gewerkschaft SINTRA UNILEVER ANDINA verschwand zusammen mit den 110 Arbeitsplätzen. Alle anderen UNILEVER-Mitarbeiter in Kolumbien werden mit informellenen Vereinbarungen eingestellt, verfügen über keine Arbeitsplatzsicherheit und können keiner Gewerkschaftsorganisation beitreten.

Gewerkschaftsfeindliche Praktiken: Das Management von MOLDES MEDELLIN, ANDES INTERNATIONAL TOOLING und ANDES CAST METALS FOUNDRY weigerte sich einfach, die Existenz der Gewerkschaft der Beschäftigten in der Glasindustrie und ähnlichen Sektoren (SINTRAVIDRICOL) sowie die Gewerkschaftsmitgliedschaft ihrer Beschäftigten und die Verteidigung ihrer Rechte anzuerkennen, obwohl alle entsprechenden Unterlagen und Dokumente für die Eintragung beim Ministerium für soziale Sicherheit eingereicht worden waren. In der Zwischenzeit verwenden sie Zeitarbeitsagenturen, um permanente Stellen in den Betrieben zu besetzen, und stellen nur eine kleine Minderheit der Arbeiter mit langfristigen Verträgen ein. Außerdem wenden sie Lohndiskriminierungen gegen gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte an.

Gewalt gegen Demonstranten: Die Förderung und der Transport der Kohle in den Minen von Glencore A.G. und Drummond verursachen in den Städten La Jagua de Ibírico und El Paso im Bezirk César erhebliche Luftverschmutzung. Außerdem ist die lokale Bevölkerung den ständigen Angriffen der Sicherheitskräfte der Unternehmen ausgesetzt. Aus Protest gegen die Zustände wurde am 9. Februar eine friedliche Versammlung abgehalten, bei der die Zufahrtsstraßen zur Stadt blockiert wurden. Am nächsten Tag reagierte die Einsatzpolizei in brutaler Weise auf den Protest und tötete den 42-jährigen Manuel Celis Mendoza. Bei demselben Zwischenfall wurden auch der 22-jährige Gabriel Enrique Gomez, der 28-jährige Neger Robles und Jairo Díaz sowie drei Jungen im Alter von 13 Jahren und ein zwei Monate altes Baby schwer verletzt.